Von der Sorge belanglos zu sein 

 

Anna Notizen aus 2019 

Beim Aufräumen (aka Sachen von einer Stelle an eine andere räumen) ist mir am Wochenende mein Notizbuch aus 2019 in die Hände gefallen.

„Welches Leben willst du leben und was hält dich davon ab?“

Keine Frage hat mich in dieser Zeit mehr beschäftigt. Studium beendet, Berufseinstieg geschafft, die Liebe und ein Zuhause in Leipzig gefunden: Alles gut und doch auch irgendwie nicht. Tage, Nächte, Wochen kreisten die Gedanken um Sinn, Werte, Pläne und (aufgeschobene) Träume.

In das Notizbuch schrieb ich damals:

 

Ich habe Angst vor

  • dem Gefühl, das Leben nicht richtig gelebt zu haben
  • Stagnation
  • dem Gefühl, „zu klein“ für die eigenen Träume zu sein

Angst davor

  • belanglos zu sein
  • zu enttäuschen, weil ich meinem Leben keinen Sinn gegeben habe

Angst vor

  • dem Gefühl der Unsicherheit
  • Selbstwertverlust
  • den eigenen Zweifeln

Ob das rein definitorisch wirklich Ängste oder eher Millennial-Sorgen waren mal dahingestellt. Auf jeden Fall:

Was für unfassbar privilegiere Sorgen, nicht wahr? Der Gedanke war zusätzlicher Zündstoff.

Du hast alles. Wieso machst du nichts draus?

Antworten auf diese Frage hatte ich viele. Dass meine Ideen nicht „special“ genug seien, andere die Dinge eh besser könnten und überhaupt. (Hallo Impostor!)

Und es war ja auch alles nicht sooo schlimm. Im Gegenteil: War ich vielleicht sogar undankbar? Dass mir nicht reichte, was ich hatte, ich irgendwie noch mehr wollte? Ohne sagen zu können, wie dieses „mehr“ genau aussehen sollte…

Rückblickend betrachtet bremsten mich zu Beginn wohl vor allem drei Sachen:

  • Der Gedanke, dass mein Lebenssinn etwas richtig Großes sein müsste (Menschenleben retten, eine Stiftung gründen, eine Anlage gegen Mikroplastik im Meer entwickeln) – zu all dem war ich nicht fähig.. Aber was könnte dann mein Sinn sein?
  • Da schloss sich direkt Problem 2 an: Ich dachte, dass ich nur lange genug nachdenken müsste, dann würden sich die Antworten im Nebel meiner Grübelei wie von Zauberhand auftun. (Spoiler: Nicht jede Antwort kommt beim (zer-)Denken. Die meisten auf dem Weg.)
  • Und Thema 3: Ich wollte wohl (das wird mir erst heute richtig klar) nichts tun, bei dem nicht sicher war, dass es klappen würde. Bloß nicht scheitern (was auch immer ich mir darunter vorstelle).

„Ich bin noch nie durch eine Prüfung gefallen“. Diesen Satz habe ich in der Vergangenheit immer mal gesagt. Die Idee dabei nachvollziehbar: „Ich hab’s noch immer geschafft. Dieses Mal sicher auch.“

Die Kehrseite: Ich wollte diesen „immer bestehen“-Streak natürlich nicht abreißen lassen. Wieso sollte ich mir also selbst Ziele setzen, bei denen ich scheitern und damit durch meine eigenen Erwartungen oder die von anderen „durchfallen“ könnte?

Jedenfalls: Als ich das Notizbuch so in den Händen hielt und darin blätterte, kamen mir die Gedanken von Vergangenheits-Anna nicht fremd vor – aber dennoch ganz weit weg.

Gerade fühlt sich mein Leben sehr lebendig an. Keine Stagnation und kein Gefühl, es zu vergeuden. Ich erlebe Sinn, auch im (vermeintlich) Kleinen. Und vor allem hab ich Wege gefunden, meinen überzogenen Selbstzweifeln Paroli zu bieten.

Irgendwie eine schöne Erkenntnis, nicht wahr? Deshalb habe ich genau diese Gedanken als neuen Eintrag ins Notizbuch geschrieben. Was wohl Zukunfts-Anna dazu sagen wird? Ich bin gespannt. Bis dahin erzähle ich erst mal die Geschichten der letzten Jahre.

Zum Beispiel:

  • Was ich über das Impostor-Phänomen im Allgemeinen und über meine überzogenen Selbstzweifel im Speziellen gelernt habe – und was du dir daraus mitnehmen kannst.
  • Was (gerade) mein „Warum“ ist.
  • Und hoffentlich kann ich euch ganz bald auch mehr vom Buch erzählen

Kannst du dich noch an deine Gedanken in 2019 erinnern? Was ging dir beim Lesen durch den Kopf? Ich würd mich freuen, von dir zu hören – bei Instagram oder per E-Mail, wie du magst.